Wanderausstellung „Helfen bedeutet Leben: Jacob Teitel und der Verband russischer Juden in Deutschland (1920 – 1935)“

Von 5.12 bis 25.2021, Leo-Baeck-Saal

Nach der Russischen Revolution von 1917 und dem folgenden blutigen Bürgerkrieg flüchteten Tausende Juden aus Russland nach Deutschland. Hier erwartete sie häufig ein Leben in Armut und gesellschaftlicher Randständigkeit. Mit dem Verband russischer Juden organisierte Jacob Teitel (1850 – 1939), der „heitere Gerechte“ (Maxim Gorki), materielle Unterstützung und verlor dabei nie das Wichtigste aus den Augen: die Würde des Menschen.Jacob Teitel Wanderausstellung

 

Im Focus der Ausstellung „Helfen bedeutet Leben: Jacob Teitel und der Verband russischer Juden in Deutschland (1920 – 1935)“ steht das Lebenswerk von Staatsrat Jacob Teitel (1850-1939): Von Simon Dubnow als „Exilarch der russischen Kolonie in Berlin“ bezeichnet, setzte er sich mit dem Verband der russischen Juden für die Rechte der russisch-jüdischen Flüchtlinge in der Zwischenkriegszeit in Deutschland und auf internationaler Ebene ein.

Teitels Ideen der sozialen Solidarität und des gesellschaftlichen Engagements in der Flüchtlingsarbeit haben bis heute Bedeutung. In der NS-Zeit leisteten der bis 1935 in Deutschland aktive Verband und seine Nachfolgeorganisationen in Frankreich (1935 – 1965) und den USA (1941 – 1965) Hilfe für das Überleben von Juden in Deutschland und unterstützten sie bei der Auswanderung nach Frankreich, Palästina und in die USA.

In Berlin gründete Jacob Teitel die Weltvereinigung „Kinder-Freunde“ (1923 – 1934) und ein Teitelisches Kinder- und Jugendhaus (1928 – 1939): eine führende reformpädagogische Organisation in der damaligen Zeit. Zum ersten Mal in Europa zeigt die Ausstellung die Fotos des berühmten Fotografen Roman Vishniac (1897 – 1990). Sie dokumentieren das Leben der jüdischen Flüchtlingsfamilien und ihrer Kinder im Berlin des Jahres 1938 auf eindrückliche Weise. Die in der Tafel-Ausstellung zu sehenden Dokumenten, Fotografien und Archivalien zeigen erstmals die Lebenswege der russisch-jüdischen Einwanderung in Deutschland nach der Pogrom-Welle in Russland, die Entstehung der Kontakte der Organisationen der deutschen und russischen Juden, den Beitrag der russischen Juden in die Kultur und Hilfswerk der jüdischen Gemeinschaft und als Bestandteil der Flüchtlingsgeschichte.