Ein großer Verlust für unsere Gemeinde: unser Ehrenmitglied Dr.h.c. Harry Radzyner, “A Mentsch” ist nicht mehr.

Nachruf von Herbert Rubinstein

Seine Güte, sein Anstand, seine Großzügigkeit und seine Menschlichkeit waren Markenzeichen unseres langjährigen Freundes und Weggefährten. Durch und durch Jüdisch, gelebte Jüdische Ethik. Immer ein offenes Ohr und eine offene Hand für Menschen in Not. Auch während der langen Zeit, der Harry unserer Gemeinde angehörte. In seiner Lebensphilosophie von seiner geliebten Ehefrau Halina unterstützt und beraten.

Dr. RadzynerFür Harry typisch: ein Anruf, ein freundliches Wort am anderen Ende der Leitung und die Frage: wie viel brauchst Du? Komme bitte vorbei, geht klar. Natürlich ging es um Gemeindebelange oder um Menschen in Not, die sich an mich gewandt hatten. Dieses Vertrauen empfinde ich gerade jetzt, wo Harry unsere irdische Welt verlassen hat, als ein großes Geschenk.

In Jiddisch sagt man über eine Persönlichkeit, wie diese Harry war: „A Mentsch“. Diesen Ausdruck habe ich von Ignatz Bubis sel. A., aber auch von Paul Spiegel sel. A., unserem gemeinsamen Freund. Der ist mehr wert, als alle Ehrungen, Auszeichnungen und Lob, die einem im Laufe des Lebens zuteil werden.

Ich werde ein Ereignis aus unserer jahrzehntelangen Verbundenheit nie vergessen:

Harry kam in die Gemeinde, es ging wohl damals darum, dass er unsere jetzige weinrote Synagogenausstattung (Parochet vor dem Ahron Hakodesch dem heiligen Schrank, zwei dazu passende Pultdecken und Samtgardinen vor den Flügeltüren) zum Andenken an seine verstorbenen Liebsten spenden wollte. Zufällig war ich da und wir sprachen im Vorraum des Leo-Baeck-Saales, als ein Besucher eintraf. Dieser schon sehr alte Mann war der Direktor des Jüdischen Museums in Warschau, Herr Marian Turski. Sprach also Polnisch, aber auch Deutsch, genau wie Harry. Beide setzten sich in die kleine Synagoge und stellten fest, dass der Bruder von Harry und Marian Turski in Polen in der gleichen Schule und auch in derselben Klasse gewesen sind! Ein großartiger Zufall. Diese Begegnung hat Harry genossen.

Als langjähriger Gemeinderat, als langjähriger Bruder in der Franz-Rosenzweig-Loge, als kundiger Berater in Finanzfragen, es sind nur einige kleine Aufzählungen, die sich in meinem Kopf befinden. Alle Einladungen zu Ehrungen von Weggefährten durch Harry im Industrie-Club, aber auch eine wunderbare Ehrung für Harry, als Ehrensenator der Heinrich-Heine-Universität, werden Ruthi und ich nie vergessen. Und als Herausragendes: die Gründung der Fakultät für Rechtswissenschaften in Herzliya, mit einem sehr bedeutenden finanziellen Betrag von Harry und Halina ermöglicht. Das IDC ist ein Leuchtturmprojekt für uns alle, für Israel und für Düsseldorf, mit diesem wunderbaren, leider von uns viel zu früh gegangenem Harry, unserem Ehrenmitglied.

Sein Wirken möge uns ein dauerhaftes Beispiel bleiben.