Schule in Zeiten einer Pandemie-Welle: Der Wechsel vom Klassen- ins Kinderzimmer und damit keinen körperlichen Kontakt zu den Klassenkameraden und Freunden haben. Das haben die Kinder der Yitzhak-Rabin-Schule und des Albert-Einstein-Gymnasiums in den vergangenen Monaten erlebt. Nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Eltern war das mit Sicherheit keine leichte Zeit. Wir haben mit Schülern und Eltern gesprochen und erfahren, wie sie den Corona-Unterricht erlebt haben.

Elias, 8 Jahre, 3. Klasse:

„Zu Beginn fand ich das Homeschooling noch cool, dann aber nicht mehr. Der Spaß hat gefehlt. Ich habe lieber Unterricht in der Schule, weil da meine Freunde sind und wir in den Pausen gemeinsam spielen können. HomeschoolingAuch für meine Eltern war das mit viel Stress verbunden. Es ist besser, wenn wir ein neues Thema in der Schule behandeln, weil die Kinder dann direkt Fragen stellen können.“ Seine Mutter sah das als Herausforderung für den Familienfrieden: „Es war für uns alle viel Arbeit. Wir mussten arbeiten und konnten seine Fragen nicht immer direkt beantworten. Er fand es zu Beginn noch toll, doch das legte sich schnell, als er verstanden hat, dass es noch einige Wochen in diesem Modus weitergehen wird. Jetzt, wo Elias wieder in der Schule ist, ist das Erlernen von neuem Stoff in der Schule entspannter und der Frieden zu Hause ist auch wieder da.“

Samuel, 10 Jahre, 4. Klasse:

„Ein neues Thema ist einfacher im Klassenverband zu lernen. Dann kann ich den Lehrer fragen. Im Homeschooling kann ich ja niemanden fragen, außer meinen Eltern, aber die sind ja keine Lehrer. Manche Fächer habe ich gerne von Zuhause gemacht, aber ich möchte nicht meine ganze Schulzeit zu Hause verbringen, dann gehe ich viel lieber in die Schule, um meine Freunde dann auch wiederzusehen. Die haben mir am meisten gefehlt.“ Die Bewegungsfreiheit, die es in den Pausen gibt, fehlte im Homeschooling, laut Samuels Mutter: „Wir wurden deutlich mehr in den Lernprozess einbezogen. Wir konnten es mehr kontrollieren, das hat viel Zeit gekostet und die Kinder haben das als Druck empfunden. Daher gab es immer mal wieder Auseinandersetzungen. Das Sozialverhalten der Kinder hat sich verändert und es fehlte an Bewegungsfreiheit, die sie normalerweise in den Pausen haben.“

Roman, 10 Jahre, 5. Klasse:

„Es ist viel stressiger zu Hause die Aufgaben zu bearbeiten, als in der Schule, weil es viel mehr Aufgaben sind. Zuhause will man sich normalerweise ausruhen aber während des Homeschoolings ist es genau das Gegenteil, man muss lernen. Ein neues Thema im Homeschooling zu erlernen ist deutlich schwieriger, als in der Schule, wo man das dann auch direkt bespricht. Ein solcher Tag beginnt wie jeder normale Tag. Ich stehe auf, esse etwas und putze mir die Zähne und angezogen setze ich mich dann hin, schalte den Computer an und nehme entweder an einer Video-Konferenz teil oder bearbeite Aufgaben, die mir geschickt wurden.“ Gerade Motivationsprobleme wurde bei seiner Mutter bereits früh festgestellt: „Ich musste ihn immer dabei unterstützen neue Themen zu erlernen. Und das hat teilweise auch viel Zeit in Anspruch genommen. Später hatten wir Motivationsprobleme und es wurde daraufhin auch immer schwieriger sich zu organisieren. Es wurde schwierig die Lust beizubehalten.

Thalia, 14 Jahre, 8. Klasse:

„Es ist deutlich besser neue Themen im Klassenverband zu erlernen, da man die Inhalte mit den Lehrern und den Mitschülern besprechen und diskutieren kann, ohne jedes Mal eine lange Frage schriftlich zu stellen und dann auf eine Antwort zu warten. Aber für mich hatte das Homeschooling auch Vorteile: Ich konnte ausschlafen und mir die Arbeit und die Aufgaben für die Schule selbst einteilen. Manchmal habe ich mit Mitschülern telefoniert und die Aufgaben dann zusammen bearbeitet.“ Ihre Eltern wurden nicht mehr als sonst in den Lernprozess einbezogen. Für manche Kinder ist es schwierig, Aufgaben ausschließlich schriftlich zu bearbeiten: „Diese Generation wächst mit Medien auf, daher war Homeschooling kein großes Problem. Vielmehr ist es einfach die Selbständigkeit und Disziplin zuhause die ganze Zeit zu lernen. Für einige Kinder fällt es sehr schwer, da sie den Unterricht in der Schule vermissen. Manche Kinder sind mündlich sehr stark und sie mussten dennoch alles schriftlich bearbeiten.“

Eine neue Schulform wird Homeschooling nach Ansicht der befragten Schüler ganz bestimmt nicht, aber sie haben alle ein wenig Selbständigkeit dazugewonnen, die sie in der weiteren Schullaufbahn sicherlich noch brauchen werden.