Im Rahmen eines Antrittsbesuchs der Generalstaatsanwaltschaft, kamen die Antisemitismusbeauftragten der Staatsanwaltschaften des Landes Nordrhein-Westfalen in die Jüdische Gemeinde Düsseldorf. Julia Blüm und Alon Dorn aus dem Vorstand der Gemeinde begrüßten die Gäste, ehe Rabbiner Benzion Dov Kaplan mit einer Synagogenführung fortsetzte.

Julia Blüm, VorstandsmitgliedVorstandsmitglied Julia Blüm sprach einige einleitende und zeigte auf, dass Antisemitismus immer noch präsent ist und dass auch der Justiz bewusst werden muss: „Es gibt eine große Wahrnehmungsdiskrepanz zwischen der jüdischen und der nicht-jüdischen Bevölkerung, während für viele Jüdinnen und Juden Antisemitismus ein alltagsprägendes Problem bedeutet, gab es über Jahre kaum Problembewusstsein beim Rest der Bevölkerung. Diese Wahrnehmungsdiskrepanz findet sich auch bei der Justiz wieder, wo antisemitische Straftaten als solche nicht erkannt und entsprechend die Wahrnehmung der Opfer und der jüdischen Community nicht anerkannt wurde“, sagte Julia Blüm. Insbesondere der Brandanschlag auf die Synagoge in Wuppertal, der nicht als antisemitische Straftat erkannt wurde, hat dafür gesorgt, dass das Vertrauen in die Justiz zunehmend erschüttert wird. Daher verdeutlichte Julia Blüm die Wichtigkeit dieses Besuchs. Denn Dialog und Austausch soll das verloren gegangene Vertrauen wieder zurückholen.

Nach der Ansprache folgte die Synagogenführung durch Rabbiner Kaplan, der wesentliche Informationen rund um das Judentum aber auch Elemente innerhalb der Synagoge zeigte. Zum Schluss durften die anwesenden Generalstaatsanwaltschaften auch einen Blick in den Toraschrank werfen.

Im Anschluss ging es in den Leo-Baeck-Saal, in dem nach einer kurzen Einführung von Olga Rosow, Leiterin der Sozialabteilung, dann Sophie Brüss, die fachliche Leitung von SABRA NRW, übernahm. Im Mittelpunkt ihrer Präsentation stand die Antisemitismusstudie, die unter anderem von SABRA durchgeführt wurde. Diese beinhaltet Wahrnehmungen und Erfahrungen jüdischer Menschen mit Antisemitismus. Innerhalb der Befragungen wurde auch häufig der erwähnte Brandanschlag auf die Synagoge in Wuppertal genannt. Ein deutliches Zeichen, dass die Justiz antisemitische Straftaten in der jüngeren Vergangenheit nicht als diese erkannt haben oder nicht erkennen wollten. Diese Studie stammt noch aus der Zeit vor der Pandemie, daher unterstrich Bert Römgens, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, dass Antisemitismus gerade auch zuletzt immer wieder auf Querdenker-Demonstrationen zu finden war und mitten in der Gesellschaft verankert ist.

Zum Abschluss, als sich der offizielle Teil des Antrittsbesuchs dem Ende neigte, gab es die Möglichkeit sich auszutauschen. Synagogenführung der GeneralstaatsanwaltschaftUnd vor allem der Austausch zwischen der Jüdischen Gemeinde und der Generalstaatsanwaltschaft ist in diesen Tagen besonders wichtig, damit die Justiz ein Gefühl dafür bekommt, wie sich die jüdische Bevölkerung fühlt. Denn zu häufig wurden milde Strafen nach deutlichen antisemitischen Straftaten, verhängt. Und bei Antisemitismus darf es keine zwei Meinungen geben. Dieser Besuch war demnach ein wichtiger Meilenstein. Wir danken der Generalstaatsanwalt für diesen wichtigen Besuch in unserer Gemeinde!