Erstmals nach der Shoah wird es wieder G“ttesdienste in einer Synagoge in Neuss geben – ohne Provisorium. Eine richtige Synagoge mit einem Aron Hakodesch und einer Torarolle.  Was für ein besonderer Moment für alle Beteiligten, für die gesamte jüdische Gemeinschaft, für die Jüdische Gemeinde sowie für die Stadt Neuss. Ein weiterer und wichtiger Meilenstein hier an Ort und Stelle unser Zuhause aufzubauen. Einweihung Synagoge

 

„Sie glauben gar nicht, wie sehr ich mich freue.“ Das waren die ersten Worte von Bert Römgens, Projektkoordinator und Geschäftsführer der maimonides gGmbH. Die Besonderheit bei einer Einweihung einer Synagoge anwesend zu sein und die Freude darüber stand allen Anwesenden ins Gesicht geschrieben. Durch den Zuzug von vielen Juden aus dem russischsprachigen Raum, konnte das jüdische Leben bundesweit wachsen. „Das war für uns ein Geschenk. Seitdem konnten wir in unseren Gemeinden Kindergärten, Grundschulen, Gymnasien und Gemeindezentren errichten und aufbauen“, sagte Dr. Oded Horowitz, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Durch das schnelle Heranwachsen des jüdischen Lebens auch in Neuss, wurde deutlich, dass ein Gemeindezentrum und damit verbunden auch eine Synagoge benötigt wird. Und dem Wunsch nach G“ttesdiensten in Neuss, wird man definitiv nachkommen, das versprach zumindest Gemeinderabbiner Aharon Ran Vernikovksy: „Wir werden unser Bestes tun, dass hier in Neuss mehr G“ttesdienste stattfinden, möglicherweise auch schönere G“ttesdienste stattfinden. Für alle, die kommen wollen aber vielleicht auch für alle, die nicht kommen wollen. Wir wollen auch die Jüdischkeit in dieser Stadt nach besten Möglichkeiten stärken. Und das soll hier nur der Beginn sein – der Beginn von mehr Jüdischkeit für die Stadt Neuss“, sagte Rabbiner Vernikovsky. 

 

Einlegung der ToraDer Wunsch nach mehr Jüdischkeit in Neuss – ein Ziel, das auch die Stadt selbst anstrebt. Bürgermeister Reiner Breuer hat die Anfänge seines Vorgängers Herbert Napp fortgeführt und hat auch seinen Teil dazu beigetragen, dass die erste Synagoge nach der Shoah in Neuss eingeweiht werden konnte. „Wir sind stolz darauf, dass wir wieder jüdisches Leben in unserer Stadt haben“, so Bürgermeister Breuer. Doch mit der Einweihung der Synagoge hört die Besonderheit an jenem Tag noch nicht auf, ein Toramantel, der die Reichspogromnacht überstanden hatte und später irgendwie zurück in die Stadtgesellschaft gefunden hatte, wurde restauriert und steht nun ausgestellt in der neuen Neusser Synagoge. „Die Tatsache, dass der Toramantel aus der Synagoge von der Promenadenstraße das einzige Relikt ist, dass den Pogrom überlebt, dass irgendwie zurück in die Stadtgesellschaft kam und restauriert wurde. Die Tatsache, dass dieser Toramantel wieder in der Synagoge steht, zurück zur Jüdischen Gemeinde gekommen ist, macht mich sehr stolz und finde ich sehr emotional und ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie froh ich bin“, unterstrich Bert Römgens die Bedeutung dieses Toramantels. Auch Bürgermeister Reiner Breuer sieht den Toramantel als ein wichtiges Symbol. Es ist eine Mahnung für alle, sich für Demokratie, für Rechtsstaatlichkeit und Freiheit einzusetzen. „Wir können uns einsetzen und Verantwortung tragen für eine Neusser Stadtgesellschaft, die auf Respekt, Vielfalt und Toleranz aufbaut“, so Bürgermeister Breuer. 

 

Dr. Oded HorowitzDr. Oded HorowitzDas Alexander-Bederov-Zentrum in der Neusser Nordstadt soll ein Raum für Begegnungen sein, es soll Austauschmöglichkeiten und Dialoge geben. Das jüdische Leben soll in Neuss präsenter werden, denn es ist zweifelsohne ein integraler Bestandteil der Stadtgesellschaft. Vorstandsvorsitzender Dr. Horowitz unterstrich die Bedeutung des Gemeindezentrums: „Ich wünsche mir, dass dieses Alexander-Bederov-Zentrum ein Raum für jüdisches Leben, aber auch ein Raum der Begegnung, des Austausches mit der Neusser Stadtgesellschaft, in Zukunft sein wird.“ Eine Einweihung einer Synagoge ist etwas Besonderes und erlebt man nicht täglich – auch ein Rabbiner nicht: „Es ist für mich auch eine unglaubliche Ehre beteiligt zu sein an der Einweihung einer Synagoge – beteiligt zu sein an der Heiligung des Profanen. Es macht mich glücklich an diesem Tag“, so Rabbiner Vernikovsky. 

Der Appell an jenem Tag ist deutlich, das Alexander-Bedrov-Gemeindezentrum und die Synagoge in Neuss sind der Beginn eines blühenden und wachsenden jüdischen Lebens in Neuss. Gleichzeitig ist es ein klares Zeichen sich gegen den wiedererstarkten Antisemitismus in unserer Gesellschaft entgegenzustellen. Und es ist ein Höhepunkt, dass 76 Jahre nach der Shoah endlich wieder eine Synagoge in Neuss eingeweiht werden konnte. „Leicht verspätet können wir heute zum einen die Synagoge als spirituelles Zentrum für jüdisches Leben in Neuss und zum anderen das Alexander-Bederov-Zentrum an die Neusser Gemeindemitglieder übergeben“, sagte Projektkoordinator Bert Römgens und ergänzte: „Ich bin davon überzeugt, dass jüdisches Leben in Neuss auch ein Garant für ein demokratisches Miteinander ist – für ein respektvolles und vielfältiges Miteinander.“ 

Bei der Einweihungsfeier kamen zusätzlich auch Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen sowie Harry Schnabel, Präsidiumsmitglied des Zentralrates der Juden in Deutschland, zu Wort. Musikalisch untermalt wurde dieser besondere Tag von Prof. Igor Epstein an seiner Violine. Nach den Ansprachen brachte Rabbiner Vernikovsky mit einer Beracha die Mesusa an der Eingangstür der Synagoge an. Im Anschluss wurde die Torarolle feierlich und musikalisch begleitet in den Aron Hakodesch gelegt. Was für ein toller und besonderer Moment für die Stadt Neuss, aber vor allem für die gesamte jüdische Gemeinschaft in und um Neuss herum.