Samstag, Februar 25, 2017

Ihr Leitfaden für den koscheren Einkauf - Kaschrut

kaschrutSeit etwa einem Jahr ist es in Düsseldorf wieder möglich Lebensmittelerzeugnisse zu kaufen, die unter rabbinischer Aufsicht hergestellt werden:

Kosher King
Bankstraße 71
40476 Düsseldorf

Tel. 0211 - 51 36 95 85
E-Mail: 0163 - 78 27463


Dieser Leitfaden soll Ihnen eine kleine Hilfe geben, auf was Sie bei Ihren Einkäufen achten müssen. Ich übernehme allerdings keine Garantie für die genannten Produkte, da sich z.B. die deutschen Gesetze betreffend der Angaben von Zutaten ändern können.


Fleisch


Alle Fleischprodukte müssen abgepackt, versiegelt und mit einem Koscherzertifikat versehen sein. 


Fisch


Fische sind nur dann koscher, wenn sie sowohl Flossen als auch Schuppen besitzen. Sie dürfen frisch gekauft werden. Gefrorene Fische und Fischfilets (unpaniert) sind ebenfalls zulässig. Fisch in Dosen ist dann problematisch, wenn sie in Öl konserviert sind, da es sich oft um Öl tierischer Herkunft handelt.

In die Fangnetze für Thunfische gelangen häufig auch Delphine. Deswegen ist Thunfisch in Dosen nur dann erlaubt, wenn sie in Frankreich verpackt werden. Auf diesen Dosen steht auf dem Deckel "France".

Die häufigsten koscheren Fische sind:
Barsch, Flunder, Forelle, Hecht, Heilbutt, Hering, Hornhecht, Kabeljau, Karpfen, Knurrhahn, Lachs, Makrele, Merlan, Sardelle, Sardine, Schellfisch, Schleie, Scholle, Seelachs, Seezunge, Sprotte, Thunfisch, Zander.

Die häufigsten nichtkoscheren "Meerestiere" sind:
Aal, Austern, Garnelen, Hummern, Krebse, Muscheln, Schnecken, Schrimps, Steinbutt, Seewolf, Schwertfisch, Stör.

Tierprodukte

Das Religionsgesetz besagt, dass Produkte von koscheren Tieren ebenfalls koscher sind und umgekehrt, Produkte von unkoscheren Tieren ebenfalls unkoscher sind. Aus diesem Grund ist etwa beim Kauf von Eiern, Milch oder Kaviar darauf zu achten, von welchem Tier das jeweilige Produkt stammt.

Die einzige Ausnahme des obengenannten Prinzips ist Honig, welches zwar von Insekten stammt, welche unkoscher sind, trotzdem aber gegessen werden darf.

Getränke

Fast alle nichtalkoholischen Getränke wie etwa Cola, Fanta oder Sprite sind erlaubt.

Alkoholische Getränke, die keine Trauben enthalten, sind ebenfalls erlaubt. Dazu gehören etwa Bier, Calvados, Cointreau, Gin, Kirsch, Malibu, Rum, Slibovitz, Whisky, Wodka.
Folgende alkoholische Getränke sind nur dann erlaubt, wenn sie ein Koscherzertifikat aufweisen: Brandy, Champagner, Cognac, Grappa, Sekt, Sherry, Vermouth, Wein, Weinbrand. Außerdem sind nicht erlaubt: Benedictine, Campari, De Kyper, Martini, Pernod, Traubensaft. In der Gemeinde sind verschiedene koschere Weine zu kaufen.

Käse

Harter (gelber) Käse ist nicht erlaubt, da er oft mit tierischem Lab hergestellt wird. Weicher Käse, wie etwa Quark oder Hüttenkäse, ist weniger problematisch.

Margarine

Die meisten in Deutschland hergestellten Margarinesorten enthalten Milchanteile und sind deshalb milchig. Andere enthalten gar tierische Fette. Ich empfehle koschere Margarine oder "Die gute Eden" aus dem Reformhaus.

Sojamilch

Milchersatz aus Soja sind nicht milchig und dürfen auch für fleischige Speisen verwendet werden.

Brot

Da es keine koschere Bäckerei in Düsseldorf gibt, muss man sehr darauf achten, dass die eingekauften Brote nicht milchig sind, etwa durch den Zusatz von Butter oder Milch. Dies ist etwa bei Toastbrot oder Croissants der Fall. Außerdem enthalten sehr viele abgepackten Brote tierische Fette.

Eis

Das Eis der Firma Häagen-Dazs  ist koscher.

Fertigprodukte

Die allermeisten Fertigprodukte enthalten verbotene Zusätze (siehe untenstehende Liste). Oftmals sind sie nicht explizit aufgeführt. Vorsicht ist deshalb etwa bei "Gewürze" oder "Lebensmittelfarbstoff" geboten.

Lebensmittelzusätze

Das deutsche Lebensmittelgesetz verlangt bei allen Nahrungsmittelprodukten die Auflistung der Zusammensetzung, die vor einem Kauf immer genau studiert werden muss. Die nachfolgende Liste beinhaltet im Sinne der Kashrut verbotene Ingredienzen:

Tierische Fette
Brühe oder Bouillon
Speisefett und Speiseöl
Gelatine (es sei denn Agar Agar)
Emulgator (es sei denn Soja-Letzithin)
Modifizierte Stärke mit Glycerol
Wein, Weinessig, Weinbrand
Die E-Nummern 120, 161 G, 214, 260, 263, 306, 339, 370, 422, 430 bis 436, 470 bis 495, 542, 570, 572, 627 bis 635, 920;

Reformhaus

In Reformhäusern gibt es zahlreiche rein vegetarische Produkte, die bedenkenlos gegessen werden dürfen. Ich werde Ihnen, so G"tt will, in unregelmäßigen Abständen weitere Informationen zukommen lassen.

Spezifische Fragen beantworte ich gerne persönlich oder telefonisch (Tel. 46 912 16).

Guten Appetit!  Ihr Rabbiner

Grundsätzliches
Schwein ist verboten

Bei der koscheren Kost müssen die mosaischen Speisegebote befolgt werden:

Vor der Mahlzeit muss der Jude sich die Hände waschen.

Zum Verzehr sind alle Landtiere, die gespaltene Hufe haben und wiederkäuen, freigegeben (also Rind und Reh; nicht dagegen das Schwein). Erlaubt sind auch alle Wassertiere, die Schuppen und Flossen haben (also die Fische; nicht dagegen Aale, Krebse und Muscheln). Was die Vögel angeht, so sind viele zum Verzehr freigegeben (Täubchen und allgemein Geflügel); verboten sind Raubvögel, die Raben und Fledermäuse (Vgl. 3. Mose 11).

Die erlaubten Tiere müssen vom Schochet, einem gelehrten und g"ttesfürchtigen Mann, mit einem einzigen Schnitt durch die Halsschlagader getötet werden. Dadurch wird das Tier schmerzlos geschlachtet und entblutet völlig. Das Blut ist nämlich nach jüdischer Auffassung der Sitz des Lebens und sein Genuss dem Gläubigen streng verboten. Durch die immerwährende Beachtung dieser religiösen Vorschrift soll der Akt des Tötens aus dem Bereich des Niedrigen herausgehoben werden. Diese Tötungsart nennt man Schächten.

Keine Milch im Kaffee

Eine ganz wichtige Bestimmung des koscheren Essens lautet nach 2. Mose 23, 19, 19, dass das Zicklein nicht in der Milch der Mutter gekocht werden darf; für die Praxis bedeutet das: "Milchernes" und "Fleichernes" müssen in der koscheren Küche unbedingt getrennt gehalten werden. Das Gemüse neben einem Fleischgericht darf nicht mit Milch angerichtet sein, und in den Kaffee nach dem Mittagessen darf man keine Milch gießen, wenn es Fleisch bei der Mahlzeit gegeben hat. Erst drei Stunden später ist Milch erlaubt; umgekehrt kann man Fleisch nach Milch schon nach einer halben Stunde essen. Die Trennung von Milch und Fleisch reicht bis in die Küche, wo es gesonderte Töpfe für Milch- und Fleischgerichte gibt, ja in einem koscher geführten Haus mag es sein, dass man sogar zwei verschiedene Küchen unterhält, um nur ja der Gefahr der Vermischung zu entgehen.
Hygienisch sinnvoll

Die koscheren Speisevorschriften hatten zu den religiösen Aspekten noch einige weitere Nebenaspekte:

Hätten die Juden sich zum Beispiel im Mittelalter nicht streng an das Gebot des Händewaschens vor jeder Mahlzeit gehalten, hätte die Pest unter ihnen genauso gewütet, wie unter den Christen.

Sollte Mose solches hygienische Wissen - vielleicht intuitiv - schon gehabt haben? Viel eher scheint es so, dass viele Ge- und Verbote als Abgrenzungsmaßnahmen des jüdischen Volkes gegenüber anderen Völkern und Religionen zu verstehen sind. Die Angehörigen des erwähnten Volkes sollten nicht in die Gefahr geraten, Fleisch von einem Tier zu essen, das einer fremden G"ttheit geopfert worden war, und darum wurde der Verzehr dieser Tierart grundsätzlich verboten.

Auch die Vorschrift des Zicklein nicht in der Milch der Mutter zu kochen mag zwar eine rationale Erklärung in dem Sinne erlauben, dass bei einem Nomadenvolk niemals die Lämmer und Zicklein vor den Alttieren geschlachtet und gegessen werden dürfen, da doch allein durch die Aufzucht der Jungtiere die Zukünftige Ernährung eines Wüstenvolkes gesichert werden kann. Doch die enge Verbindung der genannten Vorschrift mit dem Festkalender des Volkes Israel (2. Mose 23, 19 ff.) lässt auch hier eher kultische als wirtschaftliche Motive vermuten.